Heimspiel 2022: Alexander Deutmarg lebt für den Fußball

22.07.2022 | In Ravensburg hat Alexander Deutmarg beim FV gespielt - heute ist er Head of Event der EURO2024.

 

Alexander Deutmarg (links) im Gespräch mit Moderator Ulf Nürnberger
Alexander Deutmarg (links) im Gespräch mit Moderator Ulf Nürnberger

Nach drei Jahren Pause ist die Freude beim Ersten Bürgermeister Simon Blümcke groß, als er die Gäste, Moderator Ulf Nürnberger und Gast Alexander Deutmarg am 22. Juli 2022 im Schwörsaal begrüßt. "Auch während Corona war Fußball immer in den Medien präsent. Das hat sich die Initiative Ravensburg (Stadt und Wifo) zum Anlass genommen, um das Thema auch bei "Heimspiel – Medienmacher" in den Mittelpunkt zu rücken", so Blümcke.

Schon zu Beginn des Gesprächs wird für Zuhörerinnen und Zuhörer deutlich, wie sehr Alexander Deutmarg für den Fußball lebt. „Fußball ist schneller und intensiver geworden, spannend war er schon immer", so der gebürtige Ravensburger. Auch mit der Entwicklung des Damenfußballs ist er sehr zufrieden. Mit einem Lächeln ergänzt er, dass er schon früh gemerkt habe, dass der Frauenfußball entspannter und offener ist, gerade wenn es um die Orga gehe. Wichtig sei nun, ein Grundgehalt zu manifestieren, damit auch die Damen den Fokus voll auf den Sport legen können. Den FC Bayern sieht er als gutes Vorbild, dem andere Bundesligisten schnellstmöglich folgen sollten.

Sichtlich berührt ist das Publikum, als sich das Gespräch dem am Vortag verstorbenen "Uns Uwe" (Uwe Seeler) widmet. "Ich hatte das Privileg ihn kennenzulernen, gemeinsame Abendessen bei Spielen in Hamburg zu erleben, mit seiner Stiftung zu kooperieren und vielen Anekdoten zu lauschen, die er – stets sympathisch und am Boden geblieben – zu erzählen hatte", unterstreicht Deutmarg auf Nachfrage des Moderators.

Die Liste sonstiger Zuständigkeiten beim DFB ist lang: der äußere Sicherheitsring, Hospitality, Greenkeeping, Hotelplanung, Transport, Vorbereitung der Kabinen, Regie am Spieltag, TV-Übertragungen, Matchcountdown, Meetings mit Verbänden und Vertretern der Teams sind einige Stichworte, die der Head of Event des DFB aufzählt. Er sei eine Art Schnittstelle zwischen allen Akteuren, fasst er zusammen. 


Dabei begann sein Werdegang ganz unspektakulär. 2006 schrieb er sein Diplom bei der Telekom, stieg dort in das Team des Ticketmanagements für die Europameisterschaft 2006 ein. Anschließend wechselt er in eine Agentur, die 2008 mit dem "Fanclub der Nation" am Wörthersee gastiert. Hier kommt ein erster Kontakt mit dem DFB zustande, der Deutmargs Idee finanziert, Luftaufnahmen aus dem Helikopter zu machen. Später, als eine Stelle frei wird, tut sich eine große Chance für den gebürtigen Ravensburger auf. Seinen Einstieg beim DFB gibt er im Bereich der Organisation der U21-Nationalmannschaft, steigt dort auf und beweist sich in wichtigen Projekten. Ulf Nürnberger schmunzelt, als er einen Einblick in das Vorgespräch zum Interview geben darf, das verdeutlicht, welcher Umfang hinter der heutigen Tätigkeit steht: „Damals meinte er, dass es momentan ganz entspannt sei. Er arbeite nur 10 bis12 Stunden am Tag“, zitiert der Moderator seinen Gast.

Sein Job wird jedoch auch von anderen Phasen, großer Verantwortung sowie schnellen Entscheidungen geprägt und fordert häufig einen kühlen Kopf in stressigen Situationen. Ein Beispiel war der Anschlag im November 2015 in Paris. "Glücklicherweise passte ein Stewart gut auf, identifizierte den Attentäter und konnte so Schlimmeres verhindern", erinnert er sich.
An einer weiteren Situation lässt er sein Publikum teilhaben: Nachdem die Durchsuchung des Stadions durch die Polizei nach einer Spielabsage abgeschlossen war, musste er es um vier Uhr nachts gemeinsam mit einem Kollegen abnehmen. „Das Messer steckte noch im Rinderbraten, die Bandenwerbung lief noch, das war schon ein eigenartiges Gefühl", schildert er lebhaft.

Alexander Deutmarg wirkt authentisch und sympathisch – auch, als der Moderator auf strukturelle Probleme und die Weiterentwicklung des DFB zu sprechen kommt. Warum Zorc, Bierhoff, Lahm und Co. nicht im DFB Präsidium sind, kann er auch nicht beantworten. Obwohl er ganz klar seine Meinung unterstreicht, dass solche Leute stärker eingebunden werden sollten. Allgemein findet er jedoch, dass etwas Ruhe reingekommen ist. Grundsätzlich sei die Frage, ob das Konstrukt überhaupt noch richtig ist: Amateurlager und Profilager, Ehrenamt und Hauptamt – das alles sei zu überdenken. Teilweise sei es auch die bloße Einstellung zum DFB, die zu überdenken sei. "Die drei bösen "S", nämlich Schiedsrichter, Sicherheit (Einschränkung von Pyro, Ultras) und Schiedsgerichtbarkeit (Einschränkung und Sanktionierungen), eilen dem Bund voraus. Dagegen ist kaum anzukommen", sagt Deutmarg.

Immer wieder gab es Bemühungen, in der Breite attraktiver zu werden und sich weiterzuentwickeln. Ein gutes Beispiel seien die Allstars. Geplant war ein Spiel gegen Brasilien, letztlich ist es an der Finanzierung gescheitert. „Die haben eine Art Speisekarte, auf der du dir die Spieler aussuchen kannst. Der Preis steht daneben. Aber so ein Spiel kostet ein Vermögen, weshalb wir die Idee leider verwerfen mussten", erklärt er.

Einen kurzen Blick lässt Ulf Nürnberger noch in die Zukunft schweifen, nachdem er schmunzeln auf zwei "Löcher" in der Vita des Head of Event aufmerksam macht. "Du hast in Dortmund gelebt und ein Semester an der PH in Weingarten studiert", so der Moderator. Deutmarg quittiert dies mit einem Lächeln. Als Head of Event stehe nun die EURO 2024 im Fokus. Erstmal werden hierfür die Mitarbeiter-Teams aufgebaut, alle Stadien wurden bereits inspiziert und bewertet, Mitte 2023 geht es in die Umsetzung. Danach stehe ihm ein Rückgang-Recht zum DFB offen. Immer wieder liebäugelt er jedoch auch mit der Rückkehr in die Heimat. "Glücklicherweise entwickelt sich auch die Arbeitswelt, Remote macht Vieles einfacher", so Alexander Deutmarg.

Warum er kein Profi geworden sei, schildert er im weiteren Verlauf des Gesprächs. "Ich war ein guter Techniker, aber faul. Mein Vorbild war Uwe Bein. Ich wollte immer den tödlichen Pass spielen, aber mein Bewegungsradius war eher nur der Mittelkreis", berichtet er sichtlich amüsiert. Lange habe er beim TSV Berg und FV Ravensburg gespielt, in seiner Karriere sogar zwei Tore gegen den SSV Ulm geschossen. Nach 18 Jahren beendeten mehrere Verletzungen seine Karriere. Dankbar ist er dem Fußball dennoch und ihn verbindet jede Menge damit. "Fußball hat meine Frau und mich zusammengebracht, beide Kinder sind in EURO-Jahren geboren.

Eine weitere Karriere hätte beinahe in der Schulzeit begonnen, als der einstige Schüler des Albert-Einstein-Gymnasiums zum Troko gewählt wurde. Das habe er dann aber doch noch abgesagt. Doch das Rutenfest war ihm auch ohne Trommler-Dasein stets ein Anliegen. "Seit 2001 habe ich nur ein Rutenfest verpasst. Das war aufgrund meiner Hochzeit. Das Schöne ist, dass man Freunde wiedertrifft, die ganz weit weg sind. Alle sind da, das ist Heimat und einfach wunderschön", unterstreicht er voll Heimatliebe.

Biographie Alexander Deutmarg

Alexander Deutmarg wurde 1979 in Dortmund geboren und ist mit drei Jahren nach Ravensburg gezogen. Nach seinem Abitur am Alber-Einstein-Gymnasium zog es ihn nach Köln zum Studium der Sportwissenschaften und der BWL. Über Agenturen landete er 2008 schließlich beim Deutschen Fussball-Bund (DFB) und absolvierte 2009 noch ein Diplom zum Football Management an der Universität in Lausanne.

Beim DFB war er zunächst für die Stadionorganisation der U21 und A-Länderspiele, die DFB-Pokalfinalspiele in Berlin zuständig und als Projektmanager u. a. beim UEFA Europa League Finale 2010 in Hamburg, dem UEFA Champions League Finale 2012 in München und 2015 in Berlin involviert. Anschschließend leitete Alexander Deutmarg den Bereich Hospitality für die Länderspiele und das DFB-Pokalfinale und wurde im Jahr 2017 Leiter für Sonderprojekte (EURO2020, DFB-Allstars, DFB-Bundestag). Nach dem Zuschlag durch die UEFA für die EURO2024 im Jahr 2018 wechselte er in die neugegründete DFB-Euro GmbH als Hauptverantwortlicher für die 4 Spiele der EURO2020 in München. Nach Abschluss des Projektes erfolgte dann der Übergang in die EURO2024 GmbH (Joint Venture UEFA/DFB) als Head of Events. Nebenbei ist er seit 2012 für die UEFA als Venue Director in der Europa- und Champions-League unterwegs.

Alexander Deutmarg lebt mit seiner Frau und den beiden Töchtern in Frankfurt.

Impressionen Heimspiel 2022

 
 
 
 
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