30.09.2026 | Neue Brücke, direkte Verbindungen und geplante Radschnellwege sollen den Alltag für Radfahrende erleichtern. Gleichzeitig werden bestehende Strecken Schritt für Schritt verbessert.
Ob auf dem Weg zur Arbeit, zum Bahnhof oder in die
Innenstadt: Wer in Ravensburg mit dem Fahrrad unterwegs ist, kann inzwischen
auf zahlreiche direkte Verbindungen zurückgreifen. Und das Radverkehrsnetz
wächst weiter. Allein 2026 wurden mit der Hermann-Vogler-Brücke über die
Wangener Straße und der neuen Verbindung zwischen Schwanenstraße und
Escher-Wyss-Straße wichtige Netzlücken geschlossen. Gleichzeitig sind weitere
Projekte in Planung.
Ein besonders sichtbares Beispiel ist die neue
Hermann-Vogler-Brücke. Seit ihrer Eröffnung verbindet sie die Oststadt mit dem
Mühlenviertel und der Lumper Höhe mit der Innenstadt. Radfahrende können die
stark befahrene Wangener Straße dort queren und kommen ohne größere Umwege in
Richtung Veitsburgstraße, St. Christina und Innenstadt. Die Brücke ist ein
zentraler Baustein des Radverkehrskonzepts des Gemeindeverbands Mittleres
Schussental. Rund 70 Prozent der Kosten wurden durch das Land gefördert.
Auch am Schussenpark hat sich in diesem Jahr etwas getan:
Die neue Geh- und Radwegeverbindung zwischen Schwanenstraße und
Escher-Wyss-Straße ist freigegeben. Damit ist eine wichtige Netzlücke
geschlossen und der Weg zum Schussenpark, zum Bahnhof und in die Innenstadt
direkter geworden. Die Erschließungsstraße im Schussenpark wurde außerdem als
Fahrradstraße ausgebaut. Neue Fahrradabstellanlagen im Bahnhofsumfeld ergänzen
das Angebot.
Solche einzelnen Maßnahmen sind Teil eines größeren Netzes.
Das Ravensburger Radverkehrsnetz umfasst aktuell rund 184 Kilometer. Schon
heute führen verschiedene durchgängige Routen aus den Stadtteilen und dem
Umland in die Innenstadt. Entlang der Schussen gibt es beispielsweise eine
nahezu durchgehende Verbindung von Weißenau über den Schussenpark und
Ravensburg bis nach Niederbiegen und Baindt. Sie verläuft überwiegend abseits
stark befahrener Straßen. Zwischen Ravensburg, Weingarten, Baienfurt und Baindt
besteht ebenfalls eine zusammenhängende Verbindung, die insbesondere von
Pendlerinnen und Pendlern genutzt wird. In Richtung Grünkraut wurde das Netz
zuletzt durch den neuen Radweg entlang der B 32 zwischen Grünkraut-Eggwald und
Bodnegg-Rotheidlen erweitert.
Gerade bei größeren Verbindungen endet die Planung nicht an
der Stadtgrenze. Ravensburg arbeitet mit den weiteren Kommunen im
Gemeindeverband Mittleres Schussental sowie dem Bodenseekreis eng zusammen. Das
gemeinsame Radverkehrskonzept des GMS umfasst ein Netz von rund 362 Kilometern.
Eine zentrale Rolle soll künftig die Radschnellverbindung RS 9 spielen. Sie
soll Friedrichshafen über Meckenbeuren, Ravensburg, Weingarten und Baienfurt
mit Baindt verbinden. Die rund 29 Kilometer lange Strecke soll insbesondere für
Alltags- und Berufswege eine attraktive Alternative zum Pkw bieten. Derzeit
wird die Ausschreibung der Vorplanung für die Gesamtstrecke vorbereitet.
Für die Planung stehen Fördermittel vom Bund und dem Land
Baden-Württemberg zur Verfügung. Der spätere Ausbau wird dann durch das Land
Baden-Württemberg über das Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz
unterstützt, mit dem unter anderem Radwege, Fahrradstraßen, Querungshilfen,
Knotenpunktumbauten und Fahrradabstellanlagen gefördert werden können. Die
Förderquote liegt grundsätzlich bei bis zu 50 Prozent, bei besonders
klimafreundlichen Maßnahmen sind bis zu 75 Prozent möglich.
Dass die bestehenden Verbindungen bereits genutzt werden,
zeigen die Verkehrszählungen. An mehreren Straßen und Kreuzungen wurden mehr
als 1.000 Radfahrende pro Tag gezählt. An der Meersburger Brücke und am
Goetheplatz waren es während der Zählungen sogar mehr als 2.000 pro Tag –
Tendenz steigend. Zu den stark genutzten Verbindungen zählen unter anderem die
Gartenstraße, die Seestraße und Tettnanger Straße sowie die Bahnhofstraße. Drei
fest installierte Zählstellen liefern regelmäßig Daten zum Radverkehr. Seit
2023 kommen außerdem mobile, KI-basierte Verkehrszähler zum Einsatz, die
verschiedene Verkehrsteilnehmende erfassen und so eine detaillierte Analyse der
Verkehrsströme ermöglichen.
Trotz der Fortschritte ist das Netz noch nicht überall auf
dem gleichen Qualitätsniveau. Einige Radverkehrsanlagen entsprechen noch nicht
den aktuellen Standards. Teilweise sind die Wege zu schmal, teilweise wird der
Radverkehr an Knotenpunkten noch nicht ausreichend berücksichtigt. Deshalb geht
es nicht nur um neue Wege, sondern ebenso um den schrittweisen Um- und Ausbau
bestehender Strecken.
Weitere Vorhaben sind bereits in Planung. Dazu gehören unter
anderem die Radverkehrsführung im Zuge der Alfons-Maurer-Straße, die Ortsmitte
Oberhofen und eine Querungshilfe an der Wangener Straße. Auch weitere
Abschnitte der Radschnellverbindung RS 9 gehören zu den geplanten Maßnahmen.
Wie schnell einzelne Vorhaben umgesetzt werden können, hängt dabei auch von den verfügbaren finanziellen und personellen Ressourcen sowie von den örtlichen Rahmenbedingungen ab. Gerade innerorts sind die Platzverhältnisse häufig eine Herausforderung, im Außenbereich kommen Fragen des Grunderwerbs hinzu.
Der Ausbau der Radinfrastruktur bleibt damit eine kontinuierliche Aufgabe. Mit bereits umgesetzten Projekten, weiteren geplanten Maßnahmen und der Zusammenarbeit im Mittleren Schussental wird das Radverkehrsnetz Schritt für Schritt weiterentwickelt. Dabei geht es sowohl darum, neue Verbindungen zu schaffen und Netzlücken zu schließen als auch darum, bestehende Strecken weiter zu verbessern. So entsteht nach und nach ein dichteres und leistungsfähigeres Netz für den Radverkehr in Ravensburg und darüber hinaus.