31.07.2026 | Koch, Food-Journalist und vielfach ausgezeichneter Kochbuchautor Stevan Paul war zu Gast beim Rutengespräch 2026.
Beim „Heimspiel“ im Rahmen des Rutenfests 2026 begrüßte Ravensburg einen ganz besonderen Gast: den Koch, Food-Journalisten und vielfach ausgezeichneten Kochbuchautor Stevan Paul. Ein Vormittag voller Erinnerungen, kulinarischer Leidenschaft und sichtbarer Verbundenheit mit der Heimatstadt.
Stevan Paul wurde 1969 in Offenbach am Main geboren und wuchs in Ravensburg auf. Anfang der 1970er Jahre eröffneten seine Eltern – die Orthoptistin Christine Paul und Augenarzt Dr. Paul – ihre Praxis in der Seestraße 18. Eingeschult an der Neuwiesenschule, besuchte er zunächst das Welfen-Gymnasium bis zur siebten Klasse, bevor er seine Schulzeit im Internat Wilhelmsdorf fortsetzte und später nach Ravensburg zurückkehrte.
Hier begann auch seine kulinarische Laufbahn: Von 1988 bis 1991 absolvierte er seine Kochausbildung im renommierten Restaurant Waldhorn bei Sternekoch Albert Bouley – eine prägende Zeit, an die er sich mit großer Wertschätzung erinnert.
Die Leidenschaft fürs Kochen stammt aus dem Elternhaus. „Zum Mittagessen saßen wir alle zusammen und mein Vater kam von der Praxis nach oben“, erinnert sich Stevan Paul. Dass Marmelade aus selbst gepflückten Früchten entsteht, lernte er früh – ebenso wie den Wert gemeinsamer Mahlzeiten.
Auch sein Lehrmeister Albert Bouley prägte ihn nachhaltig. Dessen Rat an die Auszubildenden ist ihm bis heute im Gedächtnis geblieben: „Das Geld, das ich euch zahle, ist zum Kaufen von Kochbüchern da – und die Zimmerstunde, um diese zu lesen.“ Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre herrschte in vielen Küchen noch ein rauer Ton. Nicht so im Waldhorn: Paul beschreibt die Atmosphäre dort als kollegial und inspirierend. Selbst prominente Gäste wie Falco kehrten während seiner Ausbildungszeit im Restaurant ein.
Nach Stationen in Spitzenküchen in München und Berlin zog Stevan Paul 1995 nach Hamburg. Dort startete er als Redakteur bei der Zeitschrift "essen & trinken" beruflich neu durch. Seit 2000 ist er selbständig tätig – als freier Autor und Food-Journalist schreibt er Kolumnen und Reportagen für Magazine und Wochenzeitungen.
Heute zählt er zu den erfolgreichsten Kochbuchautoren im deutschsprachigen Raum, seine Bücher erscheinen auch in internationalen Übersetzungen. Mit „Die Kichererbsen der Señora Dolores“ veröffentlichte er jüngst seinen dritten Band mit Erzählungen vom Kochen. Sein Anspruch: nicht nur Rezepte erklären, sondern Geschichten erzählen. So funktionieren seine Werke gleichermaßen in der Küche wie auf der Couch.
Auch im Fernsehen war er präsent: Im RTL Mittagsmagazin verabschiedete er die Zuschauer alle zwei Wochen mit dem Satz: „Kochen Sie’s gut.“
Zuhause fühlt sich Stevan Paul in drei Küchen: der deutschen, der französischen und der japanischen. Erste Berührungspunkte mit der japanischen Küche hatte er bereits hier in Ravensburg. Im Waldhorn wurden unter Albert Bouley regelmäßig Miso und Wasabi verwendet – für den jungen Koch eine völlig neue Geschmackswelt, die ihn bis heute inspiriert. Weitere Impulse sammelt er auf Reisen rund um die Welt.
Regelmäßig kehrt Stevan Paul für Lesungen – etwa bei RavensBuch/Osiander – nach Ravensburg zurück. Seine Arbeit als Koch und Journalist habe die Restaurantkritik neu geprägt. Sein Ziel sei es stets, „euch zu erzählen, was da passiert“.
Beim Heimspiel im Innenhof des Museums Humpis-Quartier Ravensburg zeigte er sich sichtlich bewegt: „So eine Wertschätzung aus der Heimat zu erfahren, ist eine Ehre.“
Immer wieder betont er, wie schön Ravensburg sei – die bunten Fassaden der Altstadt, der idyllische Wochenmarkt, das besondere Lebensgefühl. Ein Heimspiel, das einmal mehr zeigte: Auch wenn die Karriere hinaus in die Welt führt – die Wurzeln bleiben.







