Guido Mangold: "Das Licht wartet nicht"

22.07.2016 | Der Fotojournalist und gebürtige Ravensburger Guido Mangold war Gast bei "Heimspiel"-Medienmacher.

 

Video zum HEIMSPIEL 2016

Er hat Konrad Adenauer, John F. Kennedy, Willy Brandt, Künstler und Stars fotografiert, aber auch den Alltag von Bauern und Nonnen mit seiner Kamera eingefangen. Beim Rutengespräch "Heimspiel – Medienmacher" der Initiative Ravensburg hat der gebürtige Ravensburger Guido Mangold im Interview mit Ulf Nürnberger von UN.MEDIA aus seinem eindrucksvollen Leben erzählt.

"Ich habe immer nur mit analogen Kameras fotografiert. Heute, in der Zeit der Digitalisierung, wäre ich arbeitslos", sagt der 82-jährige renommierte Fotojournalist. Seine authentischen und unbearbeiteten Fotos sind in Magazinen wie Quick, Twen, Stern, Spiegel und GEO um die Welt gegangen. Der Fotojournalist, der in Ravensburg aufgewachsen ist, wurde schon mit vielen Preisen ausgezeichnet. Jetzt ist eine Auswahl seiner Werke im Kunstmuseum Ravensburg ausgestellt.

Seine Kindheit und Jugend hat der renommierte Fotograf in Ravensburg verbracht. Noch heute besucht der 82-Jährige, der mit seiner Frau in Ottobrunn bei München lebt, regelmäßig seine Schwester in Ravensburg, genießt beim Rutenfest den "Reiz des Altenschießens" alle fünf Jahre. "Ich gerate völlig aus dem Häuschen, wenn ich die Trommler höre", räumt er ein. Auch wenn er schon 60 Jahre nicht mehr in seiner Heimatstadt lebt, sagt er heute: "Die Stadt, die Landschaft, die Menschen haben mich geprägt".

Seine Schulzeit endete zu abrupt. Als er 14 Jahre alt war, eröffnete ihm seine Mutter, dass sie ihn von der Schule abgemeldet habe und er im väterlichen Betrieb eine Bäckerlehre absolvieren werde. Er hatte Tränen in den Augen, wäre gerne weiter zur Schule gegangen. "Doch es gab keine Widerworte" sagt er, lernte den Beruf des Bäckers und absolvierte seine Gesellenprüfung.

Freiheit und Unabhängigkeit waren zeitlebens seine Triebfeder – dass er mit 20 Jahren nach Vancouver / Kanada auswanderte und in einem Hotel als Patissier arbeitete ebenso wie der spätere Wunsch, sich als Fotograf seinen Unterhalt verdienen zu können. Sein Talent wurde ihm durch einen Fotowettbewerb von Kodak attestiert, bei dem er seine Bilder anonym einsandte und die drei ersten Preise gewann.

1957 kehrte Mangold nach Deutschland zurück, studierte bei Otto Steinert an der Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken Bildjournalismus und schloss 1960 sein Examen mit dem Folkwang Leistungspreis ab – auch ohne Abitur.

Zunächst machte er Reportagen in Deutschland für eine amerikanische Agentur, die an die amerikanische Botschaft angeschlossen war fotografierte u. a. den Besuch des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy in Deutschland. Eine Fotoreportage im Elisabethenkrankenhaus in Ravensburg, die im Herder-Verlag publiziert wurde, ebnete ihm den Weg zur "Quick", für die er drei Jahre lang tätig war. Lange Jahre arbeitete er für die "Twen" – "dem ersten Zeitgeist-Magazin in Deutschland für junges Klientel", wie er sagt. Zusammen mit Journalisten arbeitete er an zahlreichen Fotoreportagen im In- und Ausland. Sein Verhältnis zu den Schreibern empfand er immer als etwas gespannt: "Das Licht wartet nicht", sagte Mangold, häufig hieß es für ihn früh aufstehen, um etwa das Licht der Morgensonne auf seine Bilder zu bannen.

Dass er nicht nur den Blick für besondere Perspektiven hatte, hat er mit zahlreichen Fotos bewiesen – dass er auch schneller als andere war, zeigte er nach der Beerdigung von John F. Kennedy in Arlington. Mit genau geplantem Timing schaffte er noch die Abendmaschine zurück nach Deutschland. Die "Twen" veröffentlichte noch vor dem "Stern" die Geschichte. Dass die Konkurrenz um 200.000 Exemplare geschlagen wurde, darauf ist Mangold heute noch – auf eine zurückhaltende Weise - stolz: "Ich habe das Gefühl, eine ordentliche Arbeit gemacht zu haben."

Auch wenn Mangold damit der internationale Durchbruch gelang, waren die Zeiten für ihn nicht immer rosig. Nachdem die "Twen" 1970 eingestellt wurde, "bin ich in eine tiefe Depression gefallen", erinnert er sich zurück. Erst als das Magazin GEO auf den Markt kam, begann für ihn eine neue Phase der Hoffnung. Rund 80 Reportagen auf der ganzen Welt hat er für das hochkarätige Magazin gemacht.

Gefragt nach seinen schönsten, emotionalsten und spannendsten Fotos sagte Mangold im Interview mit Ulf Nürnberger: "Die Schwester im Ravensburger Krankenhaus oder der Bauer in Südtirol sind mir genauso viel wert wie ein Bundeskanzler. Es ist so!"

Jetzt, mit 82 Jahren, hat er jegliche Auftragsarbeiten eingestellt. Ausstellungen mit seinen Bildern sieht er als Ausdruck seines Lebens. Die Ausstellung im Kunstmuseum Ravensburg zeigt Bilder, die "nicht manipuliert" sind.

Die Ausstellung „Guido Mangold. Die Welt mit meinen Augen“ ist bis 16. Oktober 2016 im Kunstmuseum Ravensburg zu sehen. Als Retrospektive werden über 100 Arbeiten des Fotografen gezeigt, die sein mehr als 50-jähriges Wirken vorstellen. Die Ausstellung ist bis 16. Oktober im Kunstmuseum Ravensburg zu sehen.

Impressionen mit Bildern von Derek Schuh

 
 
 
 
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